Diskussion über die Zukunft des Kindergartens

Zukunft des Kindergartens

Der Kurier und die Plattform EduCare baten am 21. April zur Diskussion....

DiskutantInnen:

Impulsreferentin: Heide Lex-Nalis (Plattfor EduCare)

Johannes Hahn (Bundesminister)
Dwora Stein (AK Vizepräsidentin)
Anton Dobart (Sektionschef Bildungsministerium)
Gerhard Riemer (Bildungsexperte Industriellenvereinigung)

Bildung fängt schon im Kindergarten an. Hier sollen Buben und Mädchen nicht nur beaufsichtigt, sondern ihrem Alter gemäß gefördert werden. Über das wie wurde am Dienstag im knallvollen "Dschungel" im Wiener Museumsquartier, moderiert von KURIER-Chefredakteur Christoph Kotanko, heftig diskutiert.

Heidemarie Lex-Nalis, Bildungsforscherin von der Plattform Educare, gab die Richtung vor: Sie forderte bundeseinheitliche Standards für Gruppengrößen, Betreuungsschlüssel und Raumausstattung, das Recht auf ganztägigen und ganzjährigen Kindergarten und die Anhebung der Ausbildung auf Uni-Niveau. Da waren sich noch alle einig.

Doch in der Diskussion stellte sich rasch heraus, wer wo stand. Ein großes Thema waren die MigrantInnen. Eine Kindergärtnerin aus dem Publikum schilderte den Alltag: "Ich habe 80 % TürkInnen. Wie sollen die Kinder da Deutsch lernen?" Wissenschaftsminister Johannes Hahns Rezept: "Wir sollten versuchen, die Gruppen zu mischen."

Dwora Stein, Vizepräsidentin der Arbeiterkammer, hält gute Deutschkenntnisse für besonders wichtig für die spätere Berufslaufbahn. "Wenn wir jetzt in die Kinder investieren, rentiert sich das, weil sie später einen guten Job bekommen und nicht auf der Straße stehen."

Darüber, dass in Gruppen von 25 Kindern gutes Arbeiten nicht möglich ist, waren sich alle einig. Wer das ändern könnte? Anton Dobart, Sektionschef im Bildungsministerium, spielt den Ball weiter: "Für die Gruppengrößen sind die Länder verantwortlich." Praxisnaher Zwischenruf aus dem Publikum: "Es braucht also mehr Kohle." Auch die Bezahlung sei zu schlecht. "Ich arbeite 20 Stunden und verdiene 910 Euro", sagte eine Pädagogin. "Kein Wunder, dass so wenige ausgebildete Kindergärtnerinnen tatsächlich den Beruf auch ausüben." Wie viele ihrer Kolleginnen nutzte sie den Abend, um Dampf abzulassen. "Viele junge Kolleginnen sehen, dass sie den Anforderungen nicht gewachsen sind. Es gibt zu viele Kinder in der Gruppe und immer mehr sind sozial auffällig oder haben Probleme."
Eine weitere Forderung aus dem Publikum: Kindergartenpädagogen sollten an der Uni ausgebildet werden. Minister Hahn sieht das differenziert: "Ich kann mir das als zusätzliche Möglichkeit vorstellen." Die BAKIP (Bildungsanstalt für Kindergarten-Pädagogen) solle erhalten bleiben. Der Kindergarten müsse jedenfalls ein "Bildungsgarten" werden. Er sei keine Betreuung mit Unterhaltungscharakter.

Moderator Kotanko fragte die Interessensvertreter, ob sie genug Lobbying für einen besseren Kindergarten gemacht hätten. "Ja", sagte Gerhard Riemer, Bildungsexperte der Industriellen-Vereinigung, bestimmt. "Wir haben das sogar in eigenem Bildungspapier festgehalten." Gerhard Riemer sieht die Diskussion positiv "Ich bin froh, dass jetzt endlich der Kindergarten ein Thema ist. Die Zeit ist reif. Es wird sich auch etwas ändern. Ich möchte in einem Jahr überprüfen, was sich alles verändert hat."

Auf der Homepage der Plattform Educare gibt es noch weitere Infos!

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